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Ausbildung mit Behinderung – Beispiel guter Praxis

Ausbildung zum Chemielaborjungwerker – mit Auszeichnung bestanden

Kammerbester, Landesbester und ausgezeichnet als einer der Bundesbesten 2010 – Moritz Reimann sind so viele Ehrungen fast ein bisschen unangenehm. Viel lieber erzählt der 21-Jährige von der Arbeit im Chemielabor. Von seiner „Lieblingstätigkeit“, der Röntgenfluoreszenzanalyse, berichtet er begeistert und darüber, wie er – ganz selbstständig – 400 Mineralproben untersuchen musste. Je mehr Arbeit, desto besser, findet der erfolgreiche Azubi.

Über die Aktion „100 zusätzliche Ausbildungsplätze für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene in Nordrhein-Westfalen“ kam Moritz Reimann vor zum Berufsförderungswerk Düren, das sich als Träger an der ESF-kofinanzierten Aktion beteiligt. Der junge Mann, der früh an einer Kleinhirnentzündung erkrankt war und infolgedessen mit einer Drainage am Kopf leben muss, hatte sich nach der Mittleren Reife vergeblich um einen Ausbildungsplatz bemüht.

Engagierter Ausbildungspartner – gleiche Ausbildung für alle

Erst mit Unterstützung des Berufsförderungswerkes gelang es, die Ausbildung zum Chemielaborjungwerker zu ermöglichen. Die Quarzwerke in Frechen bei Köln erwiesen sich dabei als ausbildungserfahrener und engagierter Partner. Das unabhängige Familienunternehmen ist auf die Gewinnung und Veredelung von Industriemineralien spezialisiert und bildet jedes Jahr mehrere Auszubildende aus.

„Als Moritz sich bei uns vorstellte, hat uns sein Interesse für Naturwissenschaften beeindruckt. Das hat uns überzeugt und wir haben ihm gerne den Ausbildungsplatz angeboten“, erzählt Dietmar Linn, Chemieingenieur und Ausbilder im Zentrallaboratorium der Quarzwerke GmbH. „Wir haben ihn von Anfang an wie alle anderen Auszubildenden behandelt.“ Dazu gehört, dass die Auszubildenden frühzeitig in die Analysemethoden eingeführt werden und dann „richtig“ mitarbeiten. „Die Auszubildenden lernen bei uns schnell selbständig zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen“, so Ausbilder Linn. „Unsere Lehrlinge sind alle sehr engagiert bei der Sache.“

Moritz Reimann arbeitet hier gern. „Die Kollegen sind sehr hilfsbereit und ich kann immer jemanden fragen.“ Jeden Morgen steht er um fünf Uhr auf, um rechtzeitig von Düren zu seinem Ausbildungsplatz zu kommen. „Ich bin Frühaufsteher, der lange Weg macht mir nichts aus.“ Nur eines kann er gar nicht leiden und das ist Urlaub. „Nichts tun“, sagt er, „ist einfach nichts für mich.“

Leistung mit Wirkung – auf dem Weg zum Chemielaboranten

Sehr gewissenhaft, sehr motiviert und unkompliziert im Umgang – so beschreibt Dietmar Linn die besonderen Arbeitstugenden seines Azubis. Er freut sich, dass Moritz Reimann den Abschluss mit „so viel Bravour“ geschafft hat.

Aufgrund der guten Leistungen hat er sich dafür eingesetzt, dass der junge Mann weitermachen und die anspruchsvolle Ausbildung zum Chemielaboranten absolvieren kann. „Als Chemielaborant hat Moritz noch bessere Berufschancen. Daher ist es mir wichtig, ihm auch diese Ausbildung zu ermöglichen“, begründet Dietmar Linn sein Engagement. Auch wenn die Ausbildung deutlich höhere Anforderungen stellt, ist er überzeugt, dass sein Azubi es schaffen wird. „Wir machen aus ihm einen richtig guten Laboranten, das haben wir uns zum Ziel gesetzt.“

Begleitung durch das Berufsförderungswerk Düren

Das Berufsförderungswerk Düren hat als verantwortlicher Träger die Ausbildung von Moritz Reimann begleitet und sozialpädagogisch betreut. Neben der Organisation des Stützunterrichts gehörte dazu auch die Beratung der betrieblichen Ausbildungspartner sowie der Berufsschule.

Dieter Micheel koordiniert als sozialpädagogischer Betreuer die Ausbildungen im Rahmen der „Aktion 100“. Seine Erfahrung: „Es macht viel aus, wenn Auszubildende wertschätzend und mit Empathie behandelt werden.“ Die Gesamtunterstützung durch Betrieb, Berufskolleg und überbetrieblicher Ausbildung habe daher sicher zum Erfolg beigetragen. Aber, so der Sozialpädagoge, „es bleibt allein Moritz’ Verdienst, die Prüfungen mit so außergewöhnlichen Ergebnissen abgeschlossen zu haben.“

Der richtige Ort, die richtigen Begleiter – Ausbildung funktioniert auch mit Handicap. In Nordrhein-Westfalen haben 229 von 80.000 Auszubildenden eine Auszeichnung erhalten, bei der Nationalen Bestenehrung 2010 in Berlin wurden 213 Topabsolventen gefeiert. Moritz Reimann ist einer von ihnen.

 

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