Stadtteilmütter in NRW – Aus der Praxis
Stadtteilmütter aktiv in Bochum
Unterstützung für Migrantenfamilien und Sprungbrett ins Berufsleben
Aktiv für Arbeit und Integration – wie an den anderen Modellstandorten sind auch in Bochum die Stadtteilmütter mit doppeltem Auftrag unterwegs: Als soziale Ansprechpartnerinnen informieren sie Migrantenfamilien bei Fragen zu Arbeit, Ausbildung, Erziehung und Gesundheit und qualifizieren sich zugleich für den ersten Arbeitsmarkt. Am ESF-geförderten Modellprojekt nehmen in Bochum insgesamt 30 Frauen an zwei Durchgängen teil, alle mit Migrationshintergrund und viele alleinerziehend. Die ersten 15 Frauen haben die Vorbereitung abgeschlossen und die praktische Arbeit aufgenommen. Einsatzort sind die Stadtteile Querenburg und Goldhamme, zwei Bezirke mit hoher Arbeitslosigkeit und einem überwiegenden Anteil ausländischer Wohnbevölkerung.
In Bochum steht das Modellprojekt unter der Schirmherrschaft der Oberbürgermeisterin. Umgesetzt wird es von der Diakonie Ruhr in Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk Dortmund und Lünen sowie in enger Abstimmung mit dem Jobcenter Bochum. Die Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern läuft hier erfolgreich, erfordert aber viel Netzwerkarbeit, berichtet Standortleiterin Monika Neise. Denn die Stadtteilmütter haben sehr verschiedene Einsatzorte, die koordiniert werden müssen: Vom interkulturellen Kindergarten über Elterncafés bis hin zu Stadtteilbüchereien. „Das Interesse am Projekt ist riesig“, so Monika Neise. „Alle Frauen machen hochmotiviert mit und niemand ist bisher ausgestiegen.“
Die Stadtteilmütter arbeiten in Zweier- oder Dreierteams und sind in der Regel am Vormittag unterwegs. Im E 57, einem interkulturellen Begegnungs- und Jugendzentrum, treffen sie sich täglich, besprechen Arbeitseinsätze und organisieren Termin- und Teamabsprachen. Einen Gruppenraum als zentrale Anlaufstelle hat hier schnell und unkompliziert die IFAK e. V. zur Verfügung gestellt, ein in Bochum seit über 30 Jahren aktiver Träger für multikulturelle Kinder- und Jugendhilfe und Migrationsarbeit.
Die Arbeit der Stadtteilmütter wird dankbar angenommen
„Überall, wo wir mit unseren roten Umhängetaschen und Schals auftauchen, freuen sich die Leute und sind dankbar, dass wir kostenlos weiterhelfen.“ Nese Akcora ist engagierte Stadtteilmutter und hat bislang durchweg positive Erfahrungen gemacht. „Wir haben einen vollen Terminkalender und die ersten Hausbesuche waren sehr erfolgreich“, erzählt die junge Frau türkisch-kurdischer Herkunft, die einmal Krankenschwester werden wollte. Die sechs Monate in der Qualifizierung haben ihr viel Spaß gemacht und sie hat, wie sie sagt, „viel gelernt“. Interessant fand sie vor allem das Thema Erziehung.
Wenn das Projekt zu Ende ist, möchte Nese Akcora weiterhin im sozialen Bereich arbeiten. Dafür kann sie sich auch vorstellen, eine Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren. „Für mich wäre das eine ideale Lösung.“
Berufsfelder kennenlernen für eine „gute berufliche Zukunft“
Svetlana Mihhailova kommt aus Estland und lebt seit zehn Jahren in Deutschland. Zu ihren Einsatzorten gehört die Kindervilla Stahlhausen, ein Kindergarten, der als interkulturelles Familienzentrum zertifiziert ist und ausschließlich von Kindern mit Migrationshintergrund besucht wird. Zusammen mit ihrer Tandempartnerin hilft sie Familien auch beim Ausfüllen von Anträgen, zum Beispiel für das Bildungs- und Teilhabepaket oder für die Anmeldung bei einem Deutschkurs. Für die Erzieherinnen bedeutet das eine echte Entlastung. „Ich muss jetzt nicht mehr so viel mit Händen und Füssen erklären und es bleibt mehr Zeit für die pädagogische Arbeit“, so Leiterin Stephanie Schoenfelder.
Stadtteilmutter Svetlana Mihhailova möchte die Projektzeit nutzen und verschiedene Berufsfelder kennenlernen. Die Mutter von zwei Töchtern weiß, dass sie noch einen langen Weg vor sich hat. Doch sie ist zuversichtlich und hat ein klares Ziel vor Augen. „Für eine alleinerziehende Mutter ist eine gute berufliche Zukunft wichtig, auch für die Kinder, damit sie eine gute Zukunft haben.“
Einsteigen in die Arbeitswelt und nicht mehr arbeitslos sein
Mary Saliova ist mazedonischer Herkunft und wuchs in Bochum auf. Wie die meisten Stadtteilmütter hat sie keine Ausbildung und war längere Zeit Hausfrau und Mutter. Über die Tätigkeit als Stadtteilmutter will sie den Sprung ins Berufsleben schaffen – und endlich nicht mehr arbeitslos sein. In der Stadtteilbücherei Querenburg am Uni-Center bietet sie jetzt regelmäßig eine offene Gesprächsrunde an. Damit werden vor allem Migrantinnen-Mütter erreicht, die ihre Kinder zur Vorlesestunde bringen und die Wartezeit für ein erstes Informationsgespräch nutzen können. Torsten Eilks, Leiter der Stadtteilbibliothek, ist froh über dieses zusätzliche Angebot. „Die Stadtteilmütter können hier erste Kontakte knüpfen und uns bei der Informationsarbeit unterstützen. Das Bürgerbüro ist gleich nebenan. Ich denke, so kann man auf kurzem Wege weiterhelfen.“
Mary Saliova arbeitet gerne im Stadtteilmütter-Team und findet es anregend, sich über die verschiedenen Kulturen auszutauschen. Ihr Wunsch: „Über einen Arbeitsplatz wäre ich sehr froh. Ich hoffe sehr, dass das Projekt für mich ein Sprungbrett ins Berufsleben wird.“
Jobcoach begleitet die Stadtteilmütter beim Übergang in den Arbeitsmarkt
Seit Projektbeginn ist Iris Chyra als Jobcoach für Dortmund und Bochum dabei und unterstützt die Projektteilnehmerinnen in der beruflichen Weiterentwicklung. In regelmäßigen Einzelgesprächen erarbeitet sie mit den Frauen realistische Berufsziele. „Mir ist es wichtig, dass die Frauen für sich selbst langfristige berufliche Perspektiven entwerfen und mehr Selbstvertrauen und Eigenverantwortung aufbauen. Schon jetzt haben die Frauen einen Quantensprung gemacht und durch die Arbeit als Stadtteilmütter sehr an Selbstbewusstsein gewonnen.“
Zum Jobcoaching-Angebot gehören auch Bewerbungstrainings und Praktika, die die Stadtteilmütter während der einjährigen Beschäftigung absolvieren können, um mögliche Arbeitsbereiche, etwa in Kindergärten, Pflegeheimen und Krankenhäusern, oder potentielle Arbeitgeber kennenzulernen. In einem Fall gelang bereits frühzeitig die Vermittlung in Arbeit. Eine Projektteilnehmerin schaffte den Ausstieg aus dem ALG II-Bezug und fand mit Unterstützung des Jobcoachs beim Klinikum Bochum eine Stelle als Leitungskraft im Reinigungsbereich.


