Stadtteilmütter in NRW – Aktiv für Arbeit und Integration
Für Frauen mit Zuwanderungsgeschichte ist die Arbeitsmarktsituation häufig schwierig, sie sind stärker von Arbeitslosigkeit betroffen und weitaus seltener erwerbstätig als Frauen deutscher Herkunft. Das Modellprojekt „Stadtteilmütter in NRW“ verbindet arbeits- und integrationspolitische Ansätze mit dem Ziel, die beruflichen Perspektiven von langzeitarbeitslosen Frauen mit Migrationshintergrund nachhaltig zu verbessern. Modellstandorte sind die Ruhrgebietsstädte Essen, Dortmund und Bochum. Das aus ESF-Mitteln geförderte Projekt wird gemeinsam getragen von der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in NRW, dem nordrhein-westfälischen Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales sowie der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe.
Informationen zum Programm
Arbeitslose Migrantinnen, die auf Leistungen aus dem SGB II angewiesen sind, werden in zwei Projektdurchläufen auf die Arbeit als soziale Ansprechpartnerinnen und Informationslotsinnen in benachteiligten Stadtteilen vorbereitet und qualifiziert.
Im Rahmen einer anschließenden einjährigen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung begleiten die so genannten „Stadtteilmütter“ dann Familien mit (und ohne) Migrationshintergrund, unterstützen bei Fragen zu Ausbildung, Arbeit, Erziehung und Gesundheit und informieren zu Dienstleistungen der Grundsicherungsträger.
Parallel dazu gibt es intensive Hilfestellung durch einen Jobcoach und durch die Jobcenter vor Ort, die die Vermittlung in Arbeit oder gezielte Aus- und Fortbildung unterstützen. Damit unterscheidet sich das NRW-Modellvorhaben von anderen Stadtteilmütter-Projekten und setzt einen besonderen Fokus auf den Übergang in den ersten Arbeitsmarkt.
Im Einsatz – Aufgaben der „Stadtteilmütter in NRW“
- Kontakte im Stadtteil pflegen
Die Stadtteilmütter nutzen die vorhandenen Netzwerke in den Stadtteilen als Kooperationspartner. Dazu gehören Schulen, Familienzentren, Migrationsfachdienste, Migrantenorganisationen, Jugendfreizeitstätten, Stadtteilbüros und weitere geeignete Treffpunkte.
Sie sprechen dort aktiv die Mütter oder Väter an und bieten den Familien an, sich im Rahmen von Besuchen ausführlich informieren zu lassen.
Die Stadtteilmütter sind durch Stadtteilbegehungen und durch die Teilnahme an Veranstaltungen und Festen im Stadtteil präsent. - Familien treffen und besuchen
Die Stadtteilmütter besuchen zwei bis drei Familien im Monat. Sie geben hier die aus der Qualifizierung erlernten Inhalte zu den Themen Arbeit, Ausbildung, Erziehung und Gesundheit weiter. Dabei legen sie einen besonderen Schwerpunkt auf den Bereich Ausbildung und Arbeit. So stellen die Stadtteilmütter beispielsweise das Bildungs- und Teilhabepaket vor und weisen die Familien auf Fördermöglichkeiten hin.
Zudem informieren sie über Beratungs- und Hilfsangebote der Grundsicherungsträger, wie z. B. der Jobcenter und anderer kommunaler Einrichtungen und Behörden, und motivieren die Familien, diese Dienstleistungen aktiv zu nutzen. Denn gerade für Menschen, die nicht in Deutschland aufgewachsen sind, ist es schwierig, hiesige Institutionen und ihre Strukturen zu durchschauen. - Laufende Begleitung der Stadtteilmütter im Team
In den Modellkommunen arbeiten die Stadtteilmütter in Teams und werden von Fachanleiterinnen sozialpädagogisch begleitet. Die Frauen treffen sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch im Teambüro. Hier werden die Arbeitseinsätze abgestimmt und organisiert. Die Stadtteilmütter werden motiviert, selbständig zu arbeiten und informiert zu bleiben.
Während der gesamten Projektzeit begleitet ein Jobcoach die „Stadtteilmütter in NRW“.
- Der Jobcoach führt ein Profiling durch, ermittelt in Einzelgesprächen berufliche Perspektiven und Chancen, vermittelt in Praktika und unterstützt durch Bewerbungstrainings bei der Stellensuche.
Stadtteilmütter in der Praxis – Beispiel Bochum
Wie an den anderen Modellstandorten sind auch in Bochum die Stadtteilmütter mit doppeltem Auftrag unterwegs: Als soziale Ansprechpartnerinnen informieren sie Migrantenfamilien und qualifizieren sich zugleich für den ersten Arbeitsmarkt. In Bochum steht das Projekt unter der Schirmherrschaft der Oberbürgermeisterin. Die ersten 15 Frauen, darunter viele Alleinerziehende, haben die Vorbereitung abgeschlossen und die praktische Arbeit aufgenommen. Ein Bericht mit Fotogalerie informiert über die Praxis vor Ort. Drei Stadtteilmütter berichten über ihre Erfahrungen und ihre Zukunftspläne.
ESF-Mittel für Qualifizierung und Begleitung durch Jobcoach
Das Modellprojekt wird gemeinsam getragen und finanziert von der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit, dem Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe als Projektträger. Insgesamt stehen für zwei Durchgänge 2,8 Mio. Euro zur Verfügung. Davon finanziert die Regionaldirektion NRW rund 2 Mio. Euro. Für die Qualifizierung und die Begleitung durch einen Jobcoach stellt das Arbeitsministerium 725.000 Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds bereit. Die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe finanziert aus Eigenmitteln die Koordination des Projektes.
Das Modellprojekt wird vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wissenschaftlich begleitet. Ein Steuerungskreis mit Vertreter/innen des Ministeriums, der Regionaldirektion NRW, der Diakonie und der G.I.B. unterstützt die Umsetzung.
Zahlen zum Hintergrund
In Nordrhein-Westfalen leben 4,3 Mio. Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Im Vergleich zu Menschen ohne Migrationshintergrund sind sie mehr als doppelt so häufig arbeitslos und überproportional von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Zugleich haben über 40 Prozent der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte keine abgeschlossene Berufsausbildung oder keinen Schulabschluss.
Gerade für Frauen aus Ost- und Südeuropa sowie der Türkei ist die Arbeitsmarktsituation häufig schwierig. Während die Arbeitslosenquote bei den Frauen deutscher Herkunft rund sieben Prozent beträgt, liegt sie bei ausländischen Frauen mit 22 Prozent deutlich höher. Auch sind sie laut Arbeitsmarktreport NRW mit 49 Prozent weitaus seltener erwerbstätig als Frauen ohne Zuwanderungsgeschichte (65 Prozent).
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