JobPerspektive in der Praxis – MLK-Service GmbH
Ohne Schulabschluss, keine Ausbildung, hin und wieder Gelegenheitsjobs – kaum die besten Voraussetzungen, um auf dem Arbeitsmarkt zu punkten. Genau das aber hat Sabine Thiemann über das Programm JobPerspektive geschafft und eine Stelle mit Aussicht gefunden. In der Großküche der MLK Service GmbH, einer privaten Tochtergesellschaft des Martin Luther-Krankenhauses in Bochum-Wattenscheid, arbeitet die dreifache Mutter jetzt ganztags als Küchenhilfe. Geschäfts- und Küchenleitung sind mit der neuen Mitarbeiterin sehr zufrieden und wollen sie dauerhaft beschäftigen. Credo des Dienstleistungsunternehmens: Auch Langzeitarbeitslose haben eine Chance verdient.
Tempo und Zeitdruck – Wiedereinstieg nach 12 Jahren
Um 6.50 Uhr beginnt der Arbeitstag und alles muss wie am Schnürchen laufen. In der Großküche des Martin-Luther Krankenhauses werden täglich über 1.100 Mahlzeiten zubereitet, alles frisch, nichts vorgegart. „Just in time“ heißt hier das Küchenprinzip, Tempo und Zeitdruck bestimmen den Arbeitsalltag. Da muss jeder Handgriff sitzen und die Zusammenarbeit im Team funktionieren.
Als Küchenhilfe ist Sabine Thiemann fast überall mit im Einsatz: beim Portionieren der Essen am Band, in der Spülstraße, in der Kaltküche oder am Herd zur Unterstützung der Köche und Diätassistentinnen. Schon nach kurzer Einarbeitungszeit hat sich die 33-Jährige als Allround-Kraft bewährt und einen überraschend glatten Jobeinstieg geschafft. Sogar die Kinderbetreuung ließ sich schnell und problemlos organisieren.
Über zwei Jahre war Sabine Thiemann arbeitslos. Ihre Aussichten erfolgreich vermittelt zu werden waren eher gering und die Jobangebote mager, schließlich konnte sie kaum „handfeste“ Qualifikationen nachweisen: Die Schule hatte sie als Jugendliche abgebrochen, um Akkord zu arbeiten, bis die Firma pleite ging. „Ich war jung und brauchte Geld“, sagt sie heute kopfschüttelnd. Es folgten zwei Jahre in der Altenpflege, ehe sie ganz ausstieg, heiratete und mit 21 ihr erstes Kind bekam. Als Hausfrau und Mutter von inzwischen drei Kindern blieb kaum Zeit zum Arbeiten. Mit kleineren Gelegenheitsjobs – „Putzen und so, nichts Weltbewegendes“ – besserte sie aber das Familieneinkommen auf.
Dass sie nun nach insgesamt zwölf Jahren wieder ganz regulär in das Arbeitsleben zurückkehren konnte, darüber hat sich Sabine Thiemann sehr gefreut. Die Arbeit in der Großküche gefällt ihr, die Aufgaben sind abwechslungsreich und ihr Gehalt entlastet die Familienkasse. „Seit ich mein eigenes Geld verdiene, bin ich nicht nur zufriedener, sondern mache auch etwas für meine Rente!“, beschreibt sie die positiven Nebenwirkungen ihres neuen Arbeitsplatzes und fügt hinzu: „Hier möchte ich bleiben, ganz lange!“
Motivation und Einsatzbereitschaft zählen
Das könnte klappen. Küchenchef Sascha Waller, der das Küchenteam von 26 Leuten leitet, ist jedenfalls mit der bisherigen Entwicklung sehr zufrieden. Vor allem die Motivation und Einsatzbereitschaft der neuen Mitarbeiterin haben ihn überzeugt. „Ich brauche hier eine Küchenhilfe, die motiviert ist, ein Gefühl für Logistik hat und ihre Arbeit gerne erledigt. Das bringt mir mehr als noch so qualifizierte Leute, die unzufrieden sind und nur ihre Zeit absitzen.“
Schon in der Bewerbungsrunde konnte Sabine Thiemann mit ihrer zupackenden Art punkten und die anderen Mitbewerber und Mitbewerberinnen aus dem Feld werfen. Ausschlaggebend, so Sascha Waller, war der persönliche Eindruck, „hier hatte jemand echtes Interesse und wollte unbedingt arbeiten. Das hat mich beeindruckt und deshalb wollte ich es mit ihr versuchen.“ Was zählt, sagt der Küchenchef, ist die Arbeit und nicht (nur) die Zeugnisse.
Chance auch für Langzeitarbeitslose
Ähnlich sehen es die Geschäfts- und Personalleitung der MLK-Service GmbH. Auch Langzeitarbeitslose haben eine Chance verdient, begründen Geschäftsführer Jürgen Kannemann und Personalleiter Rüdiger Opitz die Teilnahme am Programm JobPerspektive. Sie setzen auf langfristige Zusammenarbeit. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen eine vernünftige Perspektive erhalten, um sich zu entwickeln und hier ihr Geld zu verdienen. Unser Grundsatz ist es daher: Die Leute, die wir einstellen, wollen wir langfristig halten und dauerhaft beschäftigen.“



