1. Größer
  2. Kleiner
  3. Kontrast
  1. Startseite
  2. Übersicht
  3. Kontakt
  4. Impressum
  5. Drucken

Brücken bauen in den Beruf: Gute Arbeit in der Pflegebranche

„Pflege-Innovationen in der Gesundheitsregion Aachen“ (PIA)
Gute Arbeit – auch in der frauendominierten Pflegebranche

„Pflege-Innovationen in der Gesundheitsregion Aachen“ (PIA) heißt ein vom Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW und mit EU-Mitteln gefördertes Projekt. Drei Krankenhäuser, drei stationäre Altenpflegeeinrichtungen und zwei ambulante Pflegedienste nahmen an dem Projekt teil. Ziel war, das Prinzip ´Gute Arbeit’ auch in der frauendominierten Pflege-Branche zu realisieren.

Empathie und Fürsorge zeichnet das berufliche Engagement der meist weiblichen Pflegekräfte in Krankenhäusern sowie stationären und ambulanten Altenpflege-Einrichtungen aus. Ihre eigene Gesundheit und der Erhalt ihrer Beschäftigungsfähigkeit geraten dabei oft aus dem Blick. Nicht so im Projekt „Pflege-Innovationen in der Gesundheitsregion Aachen“ (PIA), initiiert und moderiert von dem  Würselener Forschungs- und Beratungsinstitut MA&T (Koordinator), vom Amt für Altenarbeit der StädteRegion Aachen und dem Institut Arbeit und Technik (IAT) aus Gelsenkirchen. Hier sollten Arbeitgeber lernen, beruflich Pflegende weniger als Kostenfaktor und mehr als ´Innovatoren` wahrzunehmen und so deren Beschäftigungsfähigkeit zu verbessern. Dr. Paul Fuchs-Frohnhofen vom MA&T: „Die - vornehmlich - Mitarbeiterinnen sollten qualifiziert werden, für ihre Interessen einzutreten und so an der Gestaltung der Rahmenbedingungen ihrer Arbeit beteiligt werden, dass sie ihren Job auch tatsächlich bis zur Rente ausüben zu können. Gleichzeitig ging es darum, die Innovationsfähigkeit in der Gesundheitsregion Aachen zu verbessern.“

In kleinen Qualitäts- und Innovationszirkeln erarbeiteten Beschäftigte, fast ausschließlich Frauen, auf freiwilliger Basis während ihrer Arbeitszeit Lösungsvorschläge für zuvor über Ist-Analysen, Befragungen und qualitative Interviews identifizierte innerbetriebliche Reformbedarfe und notwendige Innovationen. Im Zentrum stand dabei die Frage: „In welchem Geschäfts- und Handlungsfeld wollen wir uns verbessern?“. Die hier erarbeiteten Konzepte, immer kombiniert mit einem konkreten Ablaufplan, wurden anschließend im Projektlenkungsausschuss diskutiert, in dem die Beschäftigten über ihren Betriebsrat vertreten waren.

Gutes Beispiel: Seniorendienst St. Gereon

Beim Seniorendienst St. Gereon in Hückelhoven mit 280 Beschäftigten, davon mehr als 80 Prozent Frauen, stand die strategische Neuausrichtung der Gesamteinrichtung im Vordergrund der Innovationen. Die neu einzurichtenden Angebote, „Beratung“  „ambulante Pflege“ und „Tagespflege“ sollten die bereits bestehenden wie „Stationäre Pflege“ und „Betreutes Wohnen“ ergänzen. Ziel des erweiterten Marktauftritts war, so Geschäftsführer Bernd Bogert, in der Region stärker präsent zu sein, denn durch Beratung, Tagespflege und ambulante Pflege werde eine nachhaltige Kundenbindung herbeigeführt.

Über die rein ökonomische Funktion hinaus, betont der Geschäftsführer, hat die Diversifizierung und der damit einhergehende Zuwachs an Vielfalt bei den Arbeitsplätzen  positive Auswirkungen auf die Personalentwicklungsplanung und die Schaffung alternsgerechter Arbeitsplätze: „Ein Unternehmen, das nur über eine stationäre Pflege verfügt, kann auch nur Arbeitsplätze in diesem Bereich anbieten und die unterscheiden sich hinsichtlich der Arbeitszeitgestaltung und der Belastungen deutlich von denen in der Tagespflege. Mit der Ausweitung unserer Geschäftsfelder aber können jetzt etwa Mitarbeiterinnen aus dem stationären Bereich, die aufgrund einer veränderten Lebenslage z.B. nicht mehr im Schichtdienst oder am Wochenende arbeiten können oder wollen, in die Tagespflege wechseln.“

Möglichkeiten zur Berücksichtigung individueller Interessen der Beschäftigten bietet auch die für den Seniorendienst St. Gereon typische Einrichtung von insgesamt zehn kleinräumigen Wohn-, Haus- oder Lebensgemeinschaften, für die jeweils eine Mitarbeiterin zuständig ist. Auch hier können die Beschäftigten den Arbeitsplatz wechseln. Gesundheitsfördernde Maßnahmen, vom Betriebssport über Zuschüsse zum Besuch von Fitnessstudios und Kurse in afrikanischem Trommeln bis hin zu jährlichen Gesundheitschecks und in Eigenverantwortung festgelegten Pausenzeiten, komplettieren die mitarbeiterinnenorientierte Unternehmenskultur von St. Gereon, wobei für den Geschäftsführer Gesundheit mehr ist als die Abwesenheit von Krankheit: „Dazu gehört auch, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen.“

Beschäftigte als Innovatoren

„Gerne zur Arbeit kommen“ setzt „gute Arbeit“ voraus. Dazu zählt auch der Grad der Gestaltungsmöglichkeiten für die hier arbeitenden Frauen. Um den zu erhöhen, nahmen drei der Beschäftigten an der PIA-Weiterbildung „Innovationsmanager/in Pflege“ teil, darunter Karin Pelzer. Gegenstand der beruflichen Fortbildung war, berichtet sie, „eine Einführung in das Innovations- und Wissensmanagement in Pflegeorganisationen, Instrumente des Innovationsmanagements sowie Moderation und Kommunikation von Veränderungsprozessen.“

Keineswegs rein theoretisch verlief die Fortbildung, hebt sie hervor, denn obligatorischer Bestandteil der Weiterbildungsmaßnahme war eine „einrichtungsspezifische Projektarbeit“. In ihrem Fall hieß das: Entwicklung eines Konzepts zum Aufbau einer Betreuung für Demenzkranke im häuslichen Bereich. Karin Pelzer: „Gemeinsam mit unserem Pflegekoordinator und stellvertretendem Geschäftsführer Gerd Palm haben wir ein Anforderungsprofil für Beschäftigte in diesem Bereich sowie ein Weiterbildungskonzept erarbeitet.“ Mittlerweile ist der von ihr mitentwickelte Geschäftsbereich aufgebaut, der drei neu eingestellten Mitarbeiterinnen Beschäftigung bietet.

Bei einem weiteren PIA-Teilnehmer, spezialisiert auf häusliche und Altenpflege mit erwiesen hoher Pflegequalität, stand die Qualifizierung von fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Fortbildungsmodul „Teambasiertes Projektmanagement“ im Zentrum der Aktivitäten. Hier ging es nicht nur darum, die Übergabesystematik in verschiedenen Teams des Pflegediensts zu verbessern. Vielmehr sollte zugleich sichergestellt werden, so Paul Fuchs-Frohnhofen, dass zukünftig ähnliche Innovationsprojekte „auch mit nur geringer Beteiligung der Geschäftsführung von Mitarbeiterinnen selbständig abgearbeitet werden können“. Ein zweites Projekt sollte die Mitarbeiterinnen befähigen, regelmäßig Abstand von der auch emotionalen Einbindung in Alltagsprobleme des ambulanten Dienstes und der Pflegebedürftigen zu bekommen und „aus diesem inneren Abstand heraus Probleme besser lösen und kleine Projekte trotz der Anforderungen der Alltagsarbeit besser bewältigen zu können“.

„Das Ziel“, zieht Dr. Paul Fuchs-Frohnhofen von MA&T Bilanz, „beruflich Pflegende in eine Innovatorenrolle zu bringen und bei den Pflegekräften selbst und bei den Einrichtungsleitungen das Bewusstsein dafür zu fördern, dass diese Rolle auch zum Kompetenzbereich der Pflegekräfte gehört, konnte in allen Modelleinrichtungen erfüllt werden.“

Fachkräftesicherung

Von „guter Arbeit“ profitieren indes nicht nur die Beschäftigten und Kunden, sondern auch die Unternehmen. Das kann St.Gereon-Geschäftsführer Bernd Bogert jedes Jahr aufs Neue erleben: „Für die von uns angebotenen Ausbildungsplätze“, sagt er selbstbewusst, „stehen uns, anders als manchen anderen Pflege-Unternehmen, eine Vielzahl von Bewerberinnen und Bewerbern zur Verfügung.“ Für Mitarbeiterin Karin Pelzer, die vor zehn Jahren zu St. Gereon wechselte und auch andere Pflege-Einrichtungen kennen gelernt hat, ist das ausgeprägte Interesse junger Menschen an einer Ausbildung bei St. Gereon nachvollziehbar: „Führungsstil, Arbeitsatmosphäre sowie die Mitwirkungs- und Gestaltungsmöglichkeiten der Beschäftigten hinsichtlich ihrer Arbeitsbedingungen, zusätzlich gefördert durch das PIA-Projekt, sind vorbildlich.“

Dass es sich bei ihrer Bewertung nicht nur um eine subjektive Einzeleinschätzung handelt, belegt der bundesweite Wettbewerb „Bester Arbeitgeber im Gesundheitswesen 2011“. Hier landete der Seniorendienst St. Gereon auf dem 2. Platz. „Bester Arbeitgeber“ – keine Frage: Das zieht Fachkräfte an!

ESF für Europa
In Menschen investieren

Logo Europäischer Sozialfonds