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Landesinitiative Fachkräftesicherung – Regionen-Tour

Vom Helfer zur Fachkraft: Minister Schneider besucht das Projekt „Karrierepfad“ in der Märkischen Region

Im Rahmen der Initiative zur Sicherung des künftigen Fachkräftebedarfs fördert das Land Nordrhein-Westfalen in der Märkischen Region das Vorhaben „Karrierepfad“ der Deutschen Edelstahlwerke KarriereWERKSTATT GmbH in Hagen. Hagen war die erste Station des Ministers auf seiner Regionen-Tour zur Fachkräfteinitiative am 15. Februar 2012.

„Regionale Herausforderungen mit regionalen Lösungen verknüpfen“ - das ist ein zentrales Merkmal der Fachkräfteinitiative des Landes NRW: Wie sinnvoll der Ansatz ist, davon konnte sich Arbeitsminister Guntram Schneider in der Deutschen Edelstahlwerke KarriereWERKSTATT GmbH unmittelbar vor Ort überzeugen. Hier ist das vom Land NRW zur Förderung vorgesehene Projekt „Karrierepfad“ angesiedelt: 30 an- und ungelernte Beschäftigte aus überwiegend kleinen und mittelständischen Unternehmen der Metallbranche erhalten die Chance, durch Nachqualifizierung einen Berufsabschluss als Maschinen- und Anlagenführer zu erwerben. Im verarbeitenden Gewerbe, dem dominierenden Wirtschaftssektor der Märkischen Region, werden sie dringend gebraucht.

Umfassende Unterstützung – die Externenprüfung mit guten Ergebnissen schaffen

Nachdem Ute Dreher, Geschäftsführerin der KarriereWERKSTATT, in ihrer Einführung die traditionell hohe Wertschätzung von Aus- und Weiterbildung in der Firmenphilosophie des Mutterunternehmens hervorgehoben hatte, erläuterte Jan-Paul Giertz, Leiter des Projekts „Karrierepfad“, das Konzept der innovativen Maßnahme: Nach der Kompetenzfeststellung in Verbindung mit einer intensiven Fertigkeitsprüfung und der Erarbeitung eines individuellen Bildungsplans folgt die Qualifizierungsphase. Acht Ausbildungsmodule, „ausgerichtet an Arbeits- und Geschäftsprozessen der betrieblichen Praxis“, umfasst die nach der „Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung“ (AZWV) zertifizierte Schulung, die sich am Rahmenplan „Maschinen- und Anlagenführer/Metall- und Kunststofftechnik“ orientiert. Nach einer abschließenden Kompetenzbilanzierung steht zum Ende des Qualifizierungsprojekts die Externenprüfung an.

Nicht nur fachlich werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projekts während der gesamten Laufzeit intensiv unterstützt. Eine sozialpädagogische Begleitung gewährleistet fachkundige Hilfe bei z. B. Sprachproblemen oder Prüfungsangst. Jan-Paul Giertz: „Wir haben unter den Teilnehmenden auch ältere Personen, die sich über zehn oder fünfzehn Jahre Berufserfahrung angeeignet haben. So gut sie ihre Alltagsarbeit verrichten: Die Auseinandersetzung mit der Theorie ihres Berufs ist für viele eine ungewohnte Herausforderung. Wir sorgen dafür, dass auch Menschen, die sich erst später für einen Facharbeiterabschluss entscheiden, die Externenprüfung schaffen --und das mit Ergebnissen, die nicht schlechter sind als die anderer Ausbildungsabsolventen!“

Talkrunde bestätigt: Investitionen in Bildung notwendig

„Die Externenprüfung“, stellte Andreas Lux von der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen in der anschließenden, von „agentur mark“-Geschäftsführer Erik O. Schulz moderierten Talkrunde, klar, „ist ein vollwertiger Abschluss, der sich durch nichts von einer regulären Ausbildungsabschlussprüfung unterscheidet“. Nach seiner Erfahrung sind die verarbeitenden Unternehmen der Region, darunter Weltmarktführer, „auf Draht“, haben erkannt, dass Potenziale in ihren Unternehmen vorhanden sind. „Sie sind zunehmend bereit, geeignete Kandidaten während ihrer Arbeitszeit zu Fachkräften qualifizieren zu lassen.“

Erleichtert wird den Unternehmen die Entscheidung durch die Teilfinanzierung des Arbeitsentgelts in der Qualifizierungsphase seitens der Agentur für Arbeit, so Gerhard Kopplin von der Arbeitsagentur Hagen. Er wusste zu berichten, dass Unternehmen in der Metall-, aber auch in der Gesundheitsbranche zunehmend offene Stellen melden und Fachkräfte suchen. Nach seiner Auffassung müssen die Betriebe deshalb „den Investitionsbegriff erweitern und neben den Sachinvestitionen stärker als bisher in Personal investieren“. Geradezu ermahnend klang sein Hinweis auf den besonderen Nachholbedarf in der Zeitarbeitsbranche: „Während im verarbeitenden Gewerbe ´nur` jeder fünfte Beschäftigte über keinen Berufsabschluss verfügt, liegt der Anteil der Beschäftigten ohne Ausbildungsabschluss bei den Personaldienstleistern weit überdurchschnittlich bei 42 Prozent!“

„Ich kann den Zeitarbeitsunternehmen nur raten, mehr für Bildung zu tun“, hakte an dieser Stelle Minister Schneider ein, der als Vorbild für gute Aus- und Weiterbildung START Zeitarbeit nannte. Gabriele Brinkmann pflichtete ihm bei. Die Talkrunden-Teilnehmerin und Geschäftsführerin des Personaldienstleisters Brinkmann GmbH & Co KG lässt selbst einige ihrer Beschäftigten im Projekt „Karrierepfad“ nachqualifizieren. Der Grund: „Die Anforderungen unserer Kundenbetriebe steigen. Also müssen wir mehr in die Weiterbildung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investieren.“ Dass sich un- und angelernte Beschäftigte in ungekündigtem Arbeitsverhältnis nur widerstrebend zum Erwerb eines formalen Berufsabschlusses begeistern ließen, konnte sie nicht bestätigen - im Gegenteil: „Manche reagierten geradezu euphorisch, als sie das Angebot erhielten, jetzt doch noch einen ´richtigen` Beruf erlernen zu können.“

Zu ihnen gehört auch Torben Vierjahn, Mitarbeiter eines anderen Unternehmens der Region. Nach abgebrochenem Chemiestudium arbeitet er zurzeit als Angelernter in der Qualitätskontrolle. Jetzt will er im Projekt „Karrierepfad“ unbedingt einen Berufsabschluss nachholen: „So sichere ich meine Beschäftigungsfähigkeit, bin flexibler am Arbeitsmarkt und kann im weiteren Berufsverlauf noch darauf aufbauen.“

Beteiligung der Wirtschaft  – "Karrierepfad" zeigt, was Unternehmen leisten können

Nachwuchskräfte wie er sind knapp in der Märkischen Region. Die Schulabgänger- und Ausbildungsbewerberzahlen sinken im Zeichen des demografischen Wandels. Wie dramatisch die Aussichten sind, illustrierte Andreas Langmann von der agentur mark: „Bis 2030 wird das Erwerbspersonenpotential der 15 bis 65-Jährigen mit knapp 22 Prozent doppelt so stark schrumpfen wie in NRW insgesamt.“ Anlass für die Region, in ihrem Handlungskonzept zur Fachkräfteinitiative eine differenzierte und umfassende Strategie zu entwickeln. Dazu gehören neben der Entwicklung praxistauglicher Konzepte berufsbegleitender Bildung zur Mobilisierung bildungsferner Gruppen zum Beispiel auch eine verbesserte Berufsorientierung in allgemeinbildenden Schulen sowie „die Aktivierung von Frauen, Älteren und Menschen mit Migrationshintergrund.“

Für Minister Guntram Schneider Anlass, darauf hinzuweisen, dass die Fachkräfteinitiative „nicht nur ökonomische, sondern auch gesellschaftspolitische Gründe hat“. 50 Millionen Euro, die das Land im Rahmen der Initiative investiert „sind nicht wenig, angesichts der großen Herausforderungen aber auch nicht viel. Wir erwarten deshalb auch einen Beitrag der Wirtschaft“. Dass Unternehmen durchaus dazu in der Lage sind, beweise die Deutsche Edelstahlwerke KarriereWERKSTATT GmbH mit „Karrierepfad“: „Ein tolles Projekt!“